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Saas-Fee Abstauber

Unser Weg auf die 4000er von Saas-Fee


In Saas Fee finden sich einige 4000er der Alpen, man kann bis zu 12 Stück vom Saas Tal aus besteigen.

Allerdings waren wir mit unerer Tourenplanung eine Woche davor schon ziemlich spät dran und mussten unsere Tour nach den Hütten richten, die noch einen Platz an diesem schönen Wochenende für uns hatten.

Nach einiger Recherche konnten wir folgende Schlafplätze ergattern: 

08.08. bis 09.08. auf der Michabell-Hütte

09.08. bis 11.08. auf der Hohsaas Hütte.

Demnach wählten wir folgende Berge für die Besteigung aus:

Allalinhorn 4027m als Akklimatisierungstour.

Einer der einfachsten 4000er, da er sehr gut mit der Seilbahn erreichbar ist.

Nadelhorn 4327m 

Der höchste und anspruchvollste Gipfel der Tour

Weißmies 4013m

Ein eher leichter 4000er, allerdings aufgrund der Seracs nicht so ungefährlich.

Lagginhorn 4010m

Auch ein eher leichter 4000er, allerdings ist er aufgrund des Klimawandels, wie wir mit eigenem Leib erfahren haben, massiv steinschlaggefährdet.

 

 

Tourenpartner:

 

Michael B.

Sebastian L.



Tourenbeschreibung

 Tag 1

Start in Saas Fee am Parkplatz. Marsch zur Alpin-Express Talstation. Fahrt mit der Seilbahn zur Bergstation.

Umstieg zur Metroalpin Halt bei Zwischenstation Hohlaub. Von dort aus Marsch über Hohlaubgrat zum Gipfel. Abstieg über Normalweg zur Metroalpin Bergstation. Fahrt inkl Umsteigen bis ins Tal.

Marsch zum Auto und umpacken für die Übernachtung.

Marsch zur Hanning Talstation und fahrt mit der Seilbahn zur Bergstation. Marsch via Mischabelweg zur Mischabelhütte.

 

Tag 2

Start von der Mischabelhütte via Normalweg zum Nadelhorn und abstieg am selben Weg.

Abstieg von der Hütte bis zum Auto. Fahrt nach Saas-Grund zur Talstation Hohsaas.

Fahrt mit der Seilbahn zur Hohsaashütte.

 

Tag 3

Start in der Hohsaashütte aufstieg zum Weißmieß via WSW-Flanke (Normalweg). Abstieg am selben Weg

 

Tag 4

Start in der Hohsaashütte Aufstieg zum Lagginhorn über neuen Weg und WSW-Grat (Normalweg). Abstieg am selben Weg und Fahrt mit der Seilbahn ins Tal (Achtung, in allen Karten ist noch der alte Normalweg eingezeichnet siehe Plan unten)


Tourenbericht

First things First. Die Tour wurde am 20.07.25 von Sebastian und mir geplant, daher hatten wir nur begrenzte Möglichkeiten. Wir alle hatten uns verabredet dass wir uns am Donnerstag um 11:00 in Linz treffen und von dort aus gemeinsam mit meinem Oktavia in die Schweiz fahren. Ziel war der Furkapass, da wir dort ganz oben auf ca. 2400m im Zelt übernachten konnten, um bereits ein wenig an die Höhe angepasst am nächsten Tag in Saas Fee starten konnten. 

 

Die Gipfel sind alle mit Liftunterstützung und nicht "by fair means" bestiegen worden. Für uns wäre die Besteigung by fair means jedes einzelnen Gipfels möglich gewesen, allerdings war für uns bei dieser Reise das Abenteuer im Vordergrund. Und wir wollten aus der kurzen Zeit das maximale Erlebniss herausholen.

Außerdem wurden bei jedem einzelnen Berg nur die "einfachen" Aufstiegswege ausgelassen, nicht jedoch die Schlüsselstellen. Allerdings muss jeder für sich selbst entscheiden, ob ein Gipfel für ihn als bestiegen gilt oder nicht, und welche Bedeutung es für einen selbst hat.

Tag1 08.08.2025

 Tour 1 Allalinhorn via Hohlaubgrad

Anspruch: mittel

Schwierigkeit: WS+ II/III 40°

Strecke: 4,84km

Höhenmeter: 836m

Zeit: 4:18h

Höchster Punkt: 4027m

 

 

 

 

 

 

Tour 2 Hüttenzustieg Mischabelhütte

Anspruch: mäßig

Schwierigkeit: B

Strecke: 4,08km

Höhenmeter: 1038m

Zeit: 2:33h

Höchster Punkt: 3340m

 

Höhenprofil


Nach einer kurzen und kalten Nacht starteten wir um ca 4:00 Uhr nachdem wir alles zusammengepackt hatten mit der Autofahrt nach Saas-Fee wo wir um ca. 6:00 schließlich ankamen. Wir hatten es so eilig, da in den Tourenberichten im Internet steht, dass nur die Erste Fahrt der Metroalpin in der Zwischenstation "Hohlaub" Haltet und dies somit die einziege Chance auf die geplante Tour war.

Den Rucksack hatten wir bereits am Vortag gepackt, wodurch wir gleich zur Bergbahn gehen konnten um uns ein Ticket kaufen zu können. Als wir jedoch dort waren, stellten wir fest, dass einige Leute die selbe Idee hatten und bereits vor der verschlossenen Tür warteten. So stellten wir uns auch an und warteten auf den Einlass.

Nebenbei waren einige Skifahr-"Profigruppen" die vor allen anderen eingelassen wurden.

Als um Punkt 7:00 Uhr die Tür schließlich aufging, kauften wir uns schnell ein Ticket am Schalter und beeilten uns in den Lift zu kommen. Nach einmal Umsteigen waren wir ziemlich schnell in der Bergstation angekommen.

Worauf wir den Weg zur höchsten U-Bahn der Welt der Metroalpin machten. Bereits durch das Drehkreuz und die Luftschläuse gegangen, (Die Talstation ist ein riesiger aufgeblasener Sack) fragten wir passanten wie wir in Hohlaub aussteigen können, da in der U-Bahn selbst kein Fahrer war.

Die Leute meinten, man müsse sich beim Personal beim Drehkreuz in eine Liste eintragen. 

Da die Luftschläuse jedoch nur von einer Seite aufging, mussten wir warten, bis wieder Leute von der anderen Seite die Türen öffneten um zum Drehzkreuz zu kommen. Dort konnten wir uns in die Liste eintragen und das Personal meinte, wir müssen die Bahn Nr. 2 benützen, da nur diese bei der Zwischenstation haltmachen kann.

Voller Vorfreude stiegen wir schließlich in die Bahn und warteten auf die Mittelstation. Allerdings fuhren wir mit voller Geschwindigkeit an der Station vorbei und hielten erst in der Bergstation. Nun wussten wir wirklich nicht mehr was wir tun sollten. Wir berieten uns: "Sollen wir dem Personal in der Bergstation noch einmal bescheid geben oder einfach den Normalanstieg für den Aufstieg benutzen?".

Jedoch hörte uns eine andere Seilschaft und sagte, dass sie bereits dem Personal bescheid gegeben haben und er für uns im Bergabfahren einen Halt einlegen würde.

Also blieben wir stehen und siehe da, wir hielten in der Zwischenstation.

Schon recht gigantisch, was die Menschen da geschaffen hatten. Eine Seilbahn mitten im Berg mit einer Mittelstation bei der man mitten in einer Felswand herauskommt.

 

Von dort mussten wir ca 100m über das Geröll zum Gletscher absteigen ehe wir uns anseilen konnten.

Ich hatte zuhause bereits das Seil an den richtigen Stellen mittels Isolierband markiert, wodurch wir um einiges  schneller im Anseilen waren. Nur noch über ein wenig Blockgelände und schon ging es los auf den Gletscher dem Grad entgegen.

Ich führte die Gruppe an um das Tempo einwenig zu drosseln, damit wir uns besser akklimatisieren konnten.

Der Gletscher war schon bis zum Berghang komplett ausgeappert, und ohne nennenswerte Spalten, wodurch wir flott am Steilhang angekommen waren. Dort folgten wir den Spuren unserer Vorgänger, die bereits eine gute Spur hinterlassen hatten bis auf den Sattel. Vom Sattel ging es am Grad über mehrere Schneeaufschwünge hoch. Das letzte Stück bis zur Felsstufe war sehr Steil, aufgrund der Schneestufen jedoch gut begehbar.

Davor lösten wir unsere Seilschaft, da die Mitreißgefahr höher war als die Spaltensturzgefahr.

Das sah eine riesige deutsche Seilschaft anders und sicherte eine ca 10 Personen über die Flanke.

Unserer Meinung nach ein Irrsinn, jedoch schien uns die Gruppe sehr unerfahren. 

In der Felsstufe ist ein Seil verankert und die Griffe waren gut zu sehen, daher entschieden wir uns das Seil eingepackt zu lassen und die Stufe freesolo zu gehen. Danach war es nur mehr ein kurzes Stück zum Gipfel und die Freude war enorm. Man sah von dort aus fast alle 4000er der Schweiz. Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Abstieg über den Normalweg. Dieser weg war deutlich weniger Anspruchsvoll und nach einer kurzen Flanke und einem Spaltenstück entschieden wir uns, die Gletscherseilschaft wieder aufzulösen und die Steigeisten auszuziehen, wodurch wir über den Firn wie mit Ski über den Weg hinunterrutschen konnten. Als wir nach einem Kurzen Gegenanstieg bei der Bergstation des Metroalpin angekommen waren, verstauten wir unser Gletscherequipment im Rucksack und fuhren wieder zurück ins Tal.

 

Wir gingen durch Saas Fee um ein Restaurant fürs Mittagessen zu suchen. 

Allerdings spürte ich einwenig Unwohlsein und Appetitlosigkeit, ich weiß nicht ob das wegen der Höhe oder der Stendigen Sonneneinstrahlung war, allerdings war das für den weiteren Verlauf der Tour nicht ideal.

Nach dem Mittagessen, begaben wir uns zum Auto und berateten uns wie es weitergehen würde.

Eigentlich war der Plan, vom Tal aus zur Mischabellhütte zu gehen, allerdinges entschied ich mich dafür die Aufstiegsroute um ca 500hm zu verkürzen und die Seilbahn als Hilfe zu nehmen.

Wir packten unsere Rucksäcke um, um wieder das passende Equipment für die Übernachtung und die Tour danach bereit zu haben. Michael entschied sich, das Nadelhorn auszulassen und stattdessen einen "Solo-Erreichbaren" Berg stattdessen zu nehmen. Daher konnte er sich das Gletscherequipment sparen.

 

Wir gingen zur Talstation, fuhren mit der Seilbahn nach oben und begaben uns auf den Mischabellweg, der quasi Quer zum Hang ging und dann auf den Weg vom Tal traf. Von dort aus waren es immerhin nich 4000hm und die brühtende Hitze war keine Hilfe. Stetig ging es allerdings bergauf und die Klettersteig-Ähnlichen Felsrippe sorgte für eine willkommene Abwechslung. Als wir die Hütte um ca 17:00 erreichten, war ich sehr erleichtert, da der Aufstieg durch den angeschlagenen Allgemeinzustand um einiges anspruchsvoller war, als ich mir bei der Tourenplanung gedacht hatte. Nach dem Abendessen stieg die Laune wieder und wir gingen schlafen um für den nächsten Tag ausreichend Schlaf zu bekommen. 

 

Tag2 09.08.2025

 

Tour 1 Nadelhorn Normalweg

Anspruch: hoch

Schwierigkeit: WS+ II/III (60° Variante)

Strecke: 5,0km

Höhenmeter: 945m

Zeit: 5h00min

Höchster Punkt: 4327m

 

 

 

 

 

 

Tour 2 Hüttenabstieg

Anspruch: mäßig

Schwierigkeit: B

Strecke: 5,38km

Höhenmeter: 7m

Zeit: 2h37min

Höchster Punkt: 3340m

 

 

Höhenprofil


Um 3:00 Uhr läutete der Wecker. Wir machten uns fertig, aßen das Frühstück und starteten um 3:45 die Tour im Licht der Stirnlampen. Zuerst ging es ein gutes Stück weiter auf dem Felsrücken an dem sich die Hütte befindet. Das Blockgelände und die Wegfindung waren sehr einfach.

Es waren ein paar Seilschaften vor uns, wodurch wir ein wenig entfernt vom Gletscher die Steigeisen anzogen und uns in das Seil einbanden. Das Erste Stück des Gletschers war in einem Kessel auf der Ebene dahin, wodurch wir schnell waren und alle Seilschaften einhohlen konnten. Eine Seilschaft machte sich auf den Weg zum Südgrat auf die Lenzspitze, einer recht anspruchsvollen und langen Tour. 

Unser weg führte uns weiter gerade aus im Kessel und wir steuerten eine Eisflanke am anderen Ende an,

an der die Tour hochführte. Über eine Spitzkehre traversierte die Spur die Flanke und gelangte neben einer Wechte auf den Gradanstieg zwischen Nadelhorn und Ulrichshorn. Dort verkürzten wir unser Seil und folgten dem Eisgrat weiter Richtung Nadelhorn. Die Auftritte waren gut, da es in der Woche zuvor ein wenig Neuschnee gegeben hatte. Als wir am Grad entlang gingen ging hinter  uns die Sonne auf und färbte die Landschaft in einem intensiven Orangeton. Auf dieses Gefühl haben wir gewartet. Es ist gewaltig, auf so einem Spitzen Eisgrat zu stehen und über die Landschaft zu blicken, deren Farben sich im Sonnenlicht ständig verändern.

Nach einem guten Stück verlies die Spur den Grad zur rechten Seite und wurde zu Blankeis. Daher entschieden wir uns das Stück mittels Eisschrauben zu sichern, bis wir wieder am Grad ankamen.

Eine gute Entscheidung, da sich die Steigeisen nicht mehr sicher ins Eis schlagen ließen und ein Sturz einen  Absturz über mehrere hundert Meter in einen spaltenreichen Gletscherkessel zufolge gehabt hätte.

Allerdings stellten wir im Abstieg fest, dass die Stelle einfach über die Felsen am direkten Grat umklettert werden konnte. Weiter ging es noch ein kurzes Stück auf dem Eisgrat bevor es in das Felsstück des Gipfelaufbaus ging. Dort erwarteten uns noch kletterstellen im zweiten Grad und wir erreichten den irrsinnig spitzen Gipfel. von dort aus konnten wir den Grad von der Lenzspitze sehen, der sehr anspruchsvoll aussah und über einige Gandarme führte. Nach einer kurzen Pause machten wir uns wieder auf den Weg bergab. Wir nahmen keinen der optionalen Gipfel wie Stecknadelhorn und Ulrichshorn mit, da wir Michael noch auf der Hütte treffen wollten.

(Treffpunkt war eigentlich das Auto)

Im Abstieg kletterten wir die Variante über den direkten Felsengrad und folgten den weiteren Aufstiegsweg zum Sattel. Dort zogen wir uns wieder die Steigeisen aus, um besser rutschen zu können und gingen ans Lange Seil um mehr Spielraum zu haben. somit konnten wir extrem flott nach unten zum Gletschereinstieg kommen.

Wir packten alles zusammen und begaben uns auf den weiteren Abstieg über die Felsenrippe zur Hütte. 

Von fernem sahen wir Michael im Abstieg bereits fast bei der Hütte, also beeilten wir uns um ihn bei der Hütte zu treffen, und es ging sich perfekt aus, dass wir fast gleichzeitig bei der Hütte ankamen.

Nach einer entspannenden Pause in den Liegen auf der Terrasse begaben wir uns schließlich wieder auf den Weg ins Tal. Spielerisch und flott kamen wir wieder an die Abzweigung an der es zur Seilbahn ging. Da die Seilbahn den Abstieg jedoch aufgrund eines Gegenanstieges nur unwesentlich verkürzt gingen wir den normalen Weg ins Tal.

Fast im Tal angekommen, querten wir einen kleinen Bach und nützten die Gelegenheit um uns ein wenig zu waschen, da es in den Hütten keine Duschen gibt. Das eiskalte Gletscherwasser stach zwar im ersten Moment auf der Haut, jedoch war es generell ziemlich heiß, wodurch die Abkühlung eine willkommene Erfrischung war.

Nach einem kurzen Abstecher in einem Lebensmittelgeschäft um unsere Vorräte aufzufüllen gingen wir schließlich zurück zum Auto und begaben uns nach Saas Grund um zur nächsten Tour zu starten.

Wir entdeckten vor dem Kostenpflichtigen Parkplatz ein Sportgeschäft, das deren Parkplätze vermietete.

Nach gutem Verhandlungsgeschick von Sebastian, kamen wir so um einiges günstiger als beim Parkplatz der Seilbahn. 

 

Eigentlich war der Plan, dass wir nach den nächsten beiden Gipfeln zu Fuß ins Tal absteigen würden.

Bei den Seilbahnen im Saastal gibt es ein 2 Tagesticket und ein 4 Tagesticket und wir hatten uns für die geplante Tour das 2 Tagesticket besorgt, das bei einem Abstieg von Hohsaas ausreichen würde.

Da wir jedoch das Material für eine mögliche Kletterei am Lagginhorn Südgrat mitnehmen wollten hatten wir jeder mindestens 20kg Gepäck im Rucksack. Aufgrund des schweren Gepäcks kam für uns ein Abstieg nicht in Frage, da wir unsere Knie über die vier Tage genug beansprucht hatten. Daher entschieden wir uns eine zusätzliche Bergfahrt zu kaufen, um den "zweiten Tag" des ursprünglichen Tickets für die fahrt ins Tal zu nützen.

 

Nachdem alle Klarheiten beseitigt waren, fuhren wir mit der Seilbahn bis zur Bergstation und mussten nur mehr die 50m zur Hütte gehen. Nach der Zimmereinteilung ließen wir den Tag auf der sonnigen Terrasse mit Rivella ausklingen und blickten auf  die Bergziele der nächsten zwei Tage. Beeindruckt blickten wir auf die mit Seracs übersäten Nordwand des Weißmies, an der wir am nächsten Tag aufsteigen würden und fragten uns wann die riesigen Eismassen wohl aufgrund des Klimawandels kollabieren und ins Tal raßen würden. Hoffentlich nicht wenn wir den Gletscher zur Aufstiegswand queren würden. Aufgrund des Respekts vor der Wand, stellten wir uns den Wecker wie gewohnt auf 3:00 Uhr genossen das köstliche Abendessen und gingen schlafen. 

 

Da die Hütte so leicht erreichbar war ließen wir kein Material bis auf die Schuhe im Schuhraum, da wir nicht wussten ob jemand unsere Sachen stehlen würde. Bei Hütten, zu denen nur Bergsteiger kommen, ist das weniger ein Thema aber, die Hütte könnte jeder ohne Probleme erreichen und schnell wieder verlassen.

Auch mit der Zuteilung des Bettes hatte ich kein glück, da ich das Bett direkt neben der Tür hatte und jedes mal geweckt wurde, als diese aufging.

 

Tag3 10.08.2025

 

Weißmieß Normalweg

Anspruch: mäßig

Schwierigkeit: WS 40°

Strecke: 6,18km

Höhenmeter: 888m

Zeit: 4h58min

Höchster Punkt: 4013m

 

Höhenprofil


Nach einer weiteren, wenig erholsamen Nacht standen wir auf, und machten uns nach dem Frühstück auf den Weg. Nach ca 300m kamen wir zum Gletscher uns seilten uns an. wir folgten den Spuren und Lichtern, die vor uns auf dem Weg waren. und suchten uns den schnellsten weg durch die Spaltenzonen. Kurz vor dem Aufstieg in die Eiswand holten wir eine riesige Gruppe ein, die vor uns gestartet war. Schnell hatten wir das Seil verkürzt, dabei halfen uns wieder die Markierungen, die ich mit Isolierband am Seil angebracht hatte. Daher ließ uns die große Gruppe als erste in die Wand starten. Sehr steil ging es weiter allerdings waren schöne Stufen in die Wand geschlagen, daher war dies kein Problem. Wir achteten jedoch auf einander und waren voller Konzentration, da ein Sturz in der Wand fatal wäre. Nach einem Vertikalen Stück ging es noch immer Steil, allerdings quer zur Wand bis zu einem riesigen Serac. An dessen Wand nach einer Spitzkehre der weitere Weg die Wand hochführte.

Allerdings, war die Wand danach überwunden und es ging weiter an einem spaltenreichen Gletscher und wir gingen wieder aufs lange Seil.

 

Der Weg über die Steilstufe ist anscheinend jedes Jahr ein wenig anders, da sich die Wand immer wieder verändert und und ein neuer Weg durch die Seracs gefunden werden muss. Der GPX-Track, den wir auf unseren Uhren hatten war viel weiter Östlich und führte länger durch die Wand.

 

Der weitere Weg führte uns über ein Plateau im Zigzag durch die Spaltenzone bis zu einem Sattel, an dem wir erstmals auf die andere Seite des Berges blicken konnten. Dort kommt der Weg mit dem, der über den Rotgrat von der Almagellerhütte führt zusammen.

Die Sonne ging auf und färbte die Osthänge der 4000er auf der anderen Seite des Tales rot.

Nach dem Sattel gingen wir wieder ans kurze Seil, da eine weitere Steilstufe bevorstand.

über ca 40° ging es den Gipfelanstieg hoch, allerdings waren auch dort schöne Stufen im Weg vorhanden.

Wir überstiegen den mit Schnee bedecken Gipfelgrat und gingen weiter zu einer Felsstufe Richtung Südgrat.

Der böige Wind am Eisgrat war sehr stark und an der Felsstufe war es ein wenig windstiller.

Wir feierten kurz den Gipfelerfolg, da wir die ersten und alleine am Gipfel waren. Danach stiegen wieder über den selben Weg zur Hütte ab. 

Es ist immer interessant welche Läute auf solchen Bergen unterwegs sind. Im Abstieg begegneten wir einer Zweierseilschaft, bei der einer der beiden keinen Rucksack und nur ein Steigeisen auf dem Fuß hatte. 

Weiter unten begegnete uns einer, der solo auf den Berg ging. Auch recht mutig, da zu diesem Zeitpunkt der Schnee bereits weich war und wir bei einer Spalte bis zur Hüfte in den Schnee versanken.

 

Aufgrund unseres frühen Startes konnten wir als wir am Ende des Gletschers ankamen noch ein paar Übungen mit den Eisschrauben machen, danach kehrten wir wieder zur Hütte zurück und genossen einen Burger auf der Sonnenterasse zubereitet von einem angeblichen Sternekoch. Später gingen wir noch eine Felsstufe neben der Hütte hoch um die Aufstiegsroute für den nächsten Tag am Lagginhorn zu betrachten. 

Wir entschieden uns den Normalweg aufzusteigen, da wir genug von den starken Gratwinden hatten und so mehr Zeit am nächsten Tag hatten um Richtung Heimat zu fahren.

 

Am Nachmittag baten wir die Hüttenwirte, das Bett zu wechseln, um besser schlafen zu können, danach vertrieben wir uns den Nachmittag noch mit Kartenspielen. Nach dem Abendessen, stellten wir den Wecker noch ein letztes mal auf 3:00 Uhr und gingen schlafen. 

 

Wie gewohnt in den Berghütten, schlief ich mit Ohrstöpseln um besser durchschlafen zu können.

Allerdings wachte ich um ca 11:00 Uhr auf und spürte, dass der Stöpsel im rechten Ohr zu tief saß.

Ich versuchte den Stöpsel herauszubringen, fand den Nopel nicht mehr, der zum Herausziehen des Stöpsels war.

Beim Versuch den Nopel zu finden versenkte ich den Stöpsel jedoch so tief, das durch den Druck meine gesamte rechte Gesichtshälfte schmerzte. Ich überlegte ob ich jemand wecken sollte, der mir hilft.

Als Sebastian das Fenster öffnete, da es generell ziemlich heiß im Zimmer war, wusste ich, dass er wach ist und fragte ihn ob er mir helfen kann. Wir gingen in den Schuhraum und er sagte, dass der Nopel komplett abgerissen ist. Er versuchte mit der Pinzette den Stöpsel zu greifen, dies war allerdings nicht möglich. Er versuchte schließlich den Stöpsel mit dem Messer Stück für Stück nach außen zu bringen. Was nach einigen versehentlichen Stichen in die Ohrmuschel und ca 15min Spielerei auch funktionierte. Erleichtert vom Schmerz, konnte ich dann noch ca 2h sehr gut schlafen.

 

 

Tag4 11.08.2025

 

Lagginhorn Normalweg

Anspruch: mäßig

Schwierigkeit: WS II

Strecke: 7,64km

Höhenmeter: 1084m

Zeit: 6h27min

Höchster Punkt: 4010m

 

Höhenprofil


Der finale Tag in der Schweiz war angebrochen und wir begaben uns ein letztes Mal mit der Stirnlampe auf den Weg in die Finsternis. Nach einem kurzen Stück bergab ging in einem fast senkrechten Gletscherschliff. Es ging über mehrere leichte Klettereien entlang bis wir oben auf dem Bergrücken waren, der zwischen der Hütte und dem Aufstiegsweg lag. von dort aus ging es wieder ein wenig bergab bis zu einem Gletscher, den wir ohne Seil querten, da er ausgeapert war.

 

Wir haben uns am Tag davor mit der Aufstiegsroute beschäftigt, da in der Hütte ein Warnhinweis aufgehängt war.

Der alte Normalweg führt über den Gletscher hoch in einen Kessel, und kommt von dort aus erst auf den Gratanstieg. Allerdings ist dies auch die Einschlagzone aller Steine die von der gigantischen Westwand herabkommen. Daher suchten wir im Internet nach Beschreibungen um den Einstieg in die alternativroute führten.

 

Dank eines Katzenauges, das am anderen Ende des Gletschers aufgestellt war, fanden wir die schnell die Einstiegsstelle des Aufstiegs in die Wand. Der neue Weg war nicht so einfach zu finden, da er durch einen Hang mit losen Steinen führte und Steinmandel nur spärlich gesetzt waren.

Dennoch kamen wir voran und folgten dem Weg bis zum Grat. Von dort aus mussten wir nur mehr den Grad folgen. Eine herrliche Genusskletterei mit einer kurzen Schlüsselstelle, die laut Führer mit II bewertet ist.

nach der Schlüsselstelle wurde es steiler und wir hatten den ersten Kontakt mit Schneefeldern. 

Diesen bemühten wir uns auszuweichen, da wir versuchten ohne Steigeisen auszukommen.

Doch dann entschieden wir uns doch die Steigeisen anzuziehen, da es aufgrund der vielen losen Steine zu gefährlich im Fels für uns war. Als wir das nächste Schneefeld querten hörten wir auf einmal schreie von oben und ich traute meinen Augen nicht. 

Eine Gruppe deutscher Bergsteiger war vom Weg abgekommen und kletterte in losem Fels nach oben wodurch sie eine ganze Mure von Steinen herunter tritten. Durch die Steilheit beschleunigten die Steine irrsinnig schnell und sahen aus wie ein Regen voller fausgroßer Steine die mit 100km/h auf uns zuraaste.

Sebastian und ich konnten noch zur Seite ausweichen. Als es vorbei war drehte ich mich zu Michael um, der genau dort war wo die meisten Steine herunter kamen und ich dachte bereits er sei getroffen worden, allerdings hatte er das Glück sich hinter einem Felsvorsprung verstecken zu können. Als sich der Schock gelegt hatte, schrien wir hoch, dass sie mehr aufpassen sollten. Allerdings kam nach kurzer Zeit ein weiterer Steinschlag, den sie auslösten.

Von nun an rannten wir von Felsvorsprung zu Felsvorsprung um immer Deckung vor Steinschlägen zu haben.

Die Gruppe war jedoch stehen geblieben, wodurch die Gefahr nicht mehr so groß war. Sie ließen uns überholen und wir ermahnten sie noch einmal, dass sie auf dem Weg bleiben und mehr aufpassen sollen.  Es war ihnen sehr unangenehm und sie entschuldigten sich mehrmals. Danach ging es nur mehr ein Schneefeld hoch und wir standen am Gipfel unseres vierten 4000ers der Tour. Wir warteten am Gipfel auf die deutsche Gruppe auch am Gipfel angekommen waren, ehe wir den Abstieg antraten, da wir so keinen mehr ober uns hatten, der Steine losttreten würde. Zudem warnten wir alle, die uns entgegen kamen, dass die Steine lose sind und es sehr Steinschlaggefährdet ist. Auch einen Franzosen, der uns alleine entgegenkam, doch kurze Zeit später hörten wir wieder einen Stein von oben kommen, genau von diesem Franzosen, den wir ca 20 Sekunden davor gewarnt hatten. Und an der selben Stelle, an der wir im Aufstieg die Steinschläge hatten. Allerdings war es diesmal ein Stein mit ca 50cm Durchmesser, der sich bei jedem mal aufkommen umlenkte und auf uns zuraste. Sebastian konnte sich gerade noch darunter ducken als der Stein ca 20cm über seinen Kopf hinweg raßte. 

Nach diesem weiteren Schock beschlossen Sebastian und ich so schnell wie möglich abzusteigen, um die Gefahr zu minimieren, von einem weiteren Stein getroffen zu werden. Nach der Schlüsselstelle, am ersten Gegenhang warten wir schließlich wieder zusammen. Währenddessen sahen wir uns von oben den alten Aufstiegsweg an, an dem mehrere Personen aufstiegen. Allerding beobachteten wir unzählige Steine, die durch das Auftauen des Schnees von der Westwand herunter kamen und im Gletscher einschlugen. Da wussten wir, dass es eine gute Entscheidung war, sich so sehr mit dem neuen Weg zu beschäftigen. Schließlich folgten wir den Weg über den Grat weiter bis zur Abzweigung zum neuen Weg. Da Michael bereits durch Knieschmerzen sehr gebremst war, beschloss ich im abstieg die Steinmandl-Population ein wenig aufzubessern, damit man den neuen Weg besser findet. Sebastian war promt dabei und wir probierten uns als Maurer. Wir hatten unglaublichen Spaß dabei, da wir immer größere Steinmaldel zu bauen versuchten. Während wir weiter abstiegen überhohlten wir Michael wieder und beim Bauen der Steinmandel überholte uns Michael wieder. und so ging es schließlich auch über den Gletscher bis zur Kreuzung zum alten Weg. Wir blickten zurück und nun konnte der neue Weg auch am Tag gefunden werden und nicht nur anhand des Katzenauges. Das gab uns das Gefühl, dass wir vielleicht in Zukunft jemandem vor dem Steinschlag bewahrt haben. Wir genossen den Rest des Weges, und wiesen noch ein Paar das im Aufstieg war darauf hin, dass sie den neuen Weg nutzen sollten. Und schon waren wir bereits bei der Hütte.

Dort packten wir die Sachen zusammen und bereiteten uns auf die Fahrt mit der Seilbahn vor.

Wir fuhren ins Tal, und packten die Sachen wieder für den Transport zusammen.

 

Wir hatten uns zwar den nächsten Tag auch noch frei genommen, aber da es zu diesem Zeitpunkt erst 13:00 war beschlossen wir uns so weit es geht nachhause zu fahren, was wir nach zwei Fahrerwechsel auch schafften.

Und so ging ein sehr erfolgreiches Bergwochenende zu ende.

 

"neuer" Normalweg Lagginhorn

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